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RAW Gotha Reichsbahnausbesserungswerk Gotha

 

RAW Gotha (Reichsbahnausbesserungswerk Gotha)

Das Areal des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes soll schon seit Jahren verkauft werden. Doch bislang fand sich noch kein Interessent. Das ehemalige Verwaltungsgebäude und der Speisesaal der einstigen Mitropa-Werkstätten an der Südstraße sind schon seit langem verwaist, Fabrikgebäude und Anlagen dem Verfall preisgegeben.

RAW Gotha

RAW Gotha

Das traditionsreiche Unternehmen wurde von der Deutschen Bahn AG bereits im Jahre 1998 geschlossen. Seitdem prägt dieser Leerstand den nordwestlichen Teil der Südstraße, bezeugt aber auch den Niedergang des Eisenbahnwesens in der Stadt, denn Gotha war nicht nur Eisenbahnknotenpunkt, sondern auch wichtiger Produktions- und Reparaturstandort.
Das viergeschossige Verwaltungs- und Sozialgebäude ist in den 1960er Jahren erbaut worden, Werk- und Lagerhallen sind jedoch bedeutend älter. Auf Teilflächen werden Altlasten vermutet. Die Bahn wollte das gewerblich nutzbare Grundstück schon seit der Schließung verkaufen – bisher ohne Erfolg. Das über 15.000 Quadratmeter große Areal liegt zwischen der Südstraße und der Bahntrasse, besagte das Exposé der Behörde für Bundeseisenbahnvermögen einmal. Die preisliche Verhandlungsbasis belief sich damals auf 136.000 Euro – ein Schnäppchen eigentlich.

RAW Gotha

RAW Gotha

Schlossermeister Fritz Bothmann gründete 1883 eine kleine Firma an der großen Fahnenstraße, in der Karussells produziert wurden. Sechs Jahre später reichte der Platz nicht mehr aus. Die stark expandierende Firma zog in die Langensalzaer Straße um, auf das Anwesen, das später von der Elektro-Firma Bruno Merkel übernommen wurde. Bothmann hatte sich an der Kindleber Straße niedergelassen.
Kommerzienrat Fritz Bothmann schied dann aber aus der Firma „Bothmann & Glück“, die spätere „Gothaer Waggonfabrik AG“ (GWF) aus, und eröffnete an der damaligen Kohlenstraße, heute Südstraße, eine neue Karussellfabrik, wandte sich aber kurze Zeit später aber wieder dem Waggonbau zu. In dieser zweiten Waggonbaufabrik der Stadt fanden dann rund 350 Leute Lohn und Brot.
Bothmann gab nach dem Ersten Weltkrieg sein Geschäft auf. Und so erwarb die 1916 gegründete „Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speisewagen Aktiengesellschaft“ (Mitropa) das Gelände, um dort eine Werkstatt zur Reparatur ihrer Waggons einzurichten. Ausschlaggebend für die Wahl des Standortes war sicherlich die zentrale Lage und das Vorhandensein des entsprechenden Fachpersonals.

RAW Gotha

RAW Gotha

Das Gelände war mit rund 700 Metern Gleisanlagen, einer Schiebebühne und einem Anschluss zum Bahnhof ausgestattet. Die Fabrikanlage hatte einen Zeitwert von rund 900.000 Reichsmark.
Bis zu 700 Menschen arbeiteten in der Fabrik
Am 23. März 1922, also vor nunmehr 90 Jahren, fand der offizielle Besitzerwechsel statt. Schon zwei Jahre später musste erweitert werden; 1928 gehörten 310 Schlaf- und 271 Speisewagen, sowie sieben Salonwagen zum Bestand der Mitropa. Alle waren in Gotha beheimatet und sorgten somit stets für eine gute Auslastung. Als in den Folgejahren der Wagenpark vergrößert wurde, stieß das Reparaturwerk an die Grenzen seiner Kapazität, so der Sundhäuser Eisenbahnexperte Günter Walter. Eine Erweiterung des Areals sei nicht mehr möglich gewesen. In Falkensee bei Berlin entstand deshalb ein zweites Mitropawerk.
Bombenangriff am 6. Februar 1945
Während des Zweiten Weltkrieges hieß es „Räder rollen für den Sieg“, also wurden Lazarett- und Frontwagen repariert, 1944 nur noch mit 83 Mitropisten. Selbst am „Nurflüglerprojekt Go 229“ der Gothaer Waggonfabrik war das Mitropawerk beteiligt. In der Tischlerei entstand das erste Muster dieser „Wunderwaffe“.
Den verheerenden Bombenangriff vom 6. Februar 1945, der das Bahnhofsviertel in Schutt und Asche legte, hatte das Werk fast unbeschadet überstanden. Wenige Tage nach dem Einmarsch der amerikanischen Besatzer wurde wieder mit der Reparatur von Speise- und Schlafwagen begonnen, nach dem Einzug der Sowjets musste sich das Werk an Reparationsleistungen beteiligen.

RAW Gotha

RAW Gotha

Gemeinsam mit dem Reichsbahnausbesserungswerk Gotha (RAW) und dem späteren Traktoren-Fahrzeugachsenwerk entwickelte und baute man zwei fahrbare meteorologische Stationen für die Sowjetunion. Die besten Schlaf- und Speisewagen, die in der damaligen sowjetischen Besatzungszone aufzutreiben waren, wurden für diese beiden Züge umgebaut; zusätzlich noch 30 Wohn- und 45 Werkstattwagen aufgearbeitet. 1948 kam der Betrieb mit 325 Mitarbeitern wieder in den Bestand der Mitropa.
Der Salonwagen des letzten deutschen Kaisers, 1945 eine Trophäe der Sowjets, gelangte 1953 in der Hauptwerkstatt der Mitropa nach Gotha, um als Agitationswagen der FDJ hergerichtet zu werden. Es gab zwar den Versuch den Waggon unter Museumsschutz zu stellen, doch die 95.000 Mark für die Aufarbeitung waren nicht beschaffbar.
Die Auslastung des Werkes war über die Jahre stets gesichert. Selbst Bahnpostwagen wurden instandgesetzt. Auch einige Sonderanfertigungen gab es: 1954 der Innenausbau eines Messbootes für das meteorologische Institut Potsdam, 1959 der Bau eines Waggons für die Bergbahn Oberweißbach.

RAW Gotha

RAW Gotha

Im Jahre 1964 wurde das Werk der Deutschen Reichsbahn angegliedert und in RAW-Gotha umbenannt. Vor der Wende beschäftigte der Betrieb rund 400 Mitarbeiter, danach wurde Personal „sozialverträglich“ abgebaut, so dass es 1993 noch 325 Leute waren.
Was soll nun mit dem riesigen Anwesen geschehen? Im Sommer vergangenen Jahres wurde das Grundstück aus dem Bestand des Bundeseisenbahnvermögens an die DB Netz AG übertragen. „Aktuell wird bei uns im Hause eine Entbehrlichkeitsprüfung durchgeführt, um festzustellen, ob und unter welchen Bedingungen die Fläche veräußerbar ist“, erklärt Sabine Krüger von der zuständigen Bahnpressestelle in Leipzig. Unter Umständen kommt es zum Verkaufsangebot auf der Internetseite der Bahn.

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Quelle: http://gotha.thueringer-allgemeine.de/web/gotha/startseite/detail/-/specific/Altes-Gothaer-Mitropa-Werk-befindet-sich-im-Dornroeschenschlaf-538996390

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