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Johanniter Heilstätte Sorge

 

Johanniter Heilstätte Sorge

Durch den Johanniterorden wurde 1899 der Bau einer Lungenheilstätte beschlossen. Es sollte eine zeitgemäße Lungenheilstätte für 60 weibliche Kranke entstehen. Als Bauplatz wurde der Südhang des Gipfelplateaus des 562 Meter hohen Ochsenberges ausgewählt – einsam inmitten dichten Fichtenwaldes gelegen im Dreieck zwischen den Orten Sorge, Benneckenstein und Hohegeiß. Insbesondere die klimatischen Verhältnisse des Ortes gaben den Ausschlag. Die Bauarbeiten gestalteten sich zunächst schwierig, da neben Rodungsarbeiten auch erhebliche Erdarbeiten erforderlich waren, um aus dem felsigen Berghang ein ebenes Bauplanum zu

Johanniter Heilstätte Sorge

Johanniter Heilstätte Sorge

schaffen. Das Gebäude wurde in sehr massiver Bauweise erstellt. Die Mauern bis zum dritten Geschoss wurden in Granit ausgeführt.Das Gebäude gliederte sich in zwei gleichförmige Außengebäude und in einen Zentralbau, der in seinem Obergeschoss eine Kirche enthielt, auf die auch seine äußere Bauform durch Chor und Glockenturm hinwies. Zu einer baulichen Einheit zusammengefügt wurden die drei Gebäudeteile durch Verbindungsbauten mit arkadenförmigen, nach Süden offenen Liegehallen. Auch die geräumigen,hellen Krankenzimmer in den äußeren Gebäudeteilen waren nach Süden ausgerichtet. Es handelte sich dabei um Ein-, Zwei-, Drei- oder Vierbettzimmer. Ein Wintergarten, eine Bibliothek und mehrere Aufenthalts- und Tagesräume rundeten die komfortable Ausstattung ab.Am 26. Juni 1902 fand die feierliche Einweihung der neuen Lungenheilstätte statt. Im August 1902 wurden die ersten Patienten im Hause empfangen. Bereits im Jahr 1903 wurde auf dem Areal ein Wohnhaus für den Chefarzt und ein Wirtschaftsgebäude errichtet.

Johanniter Heilstätte Sorge

Johanniter Heilstätte Sorge

Während des ersten Weltkrieges wurde die Klinik unverändert fortbetrieben, doch weitere Erneuerungen und Ausbauten ließen sich erst nach der Inflationszeit realisieren. Die Bettenzahl wurde auf 88 erhöht. 1925 entstand das sogenannte „Oberhaus“, das als Gästehaus genutzt wurde. Im Jahr 1926 wurde ein Plan zum umfangreichen Ausbau der Heilstätte genehmigt. Das Hauptgebäude bekam auf seiner Westseite einen großen Anbau, der Zimmer für 45 weitere Patientinnen und erstmals Raum für eine zusammenhängende ärztliche Abteilung bot. Die inzwischen zu klein gewordenen Behandlungsräume im Altbau wurden durch moderne Operationssäle in dem am 1.April 1927 bezogenen Neubau ersetzt. Ab 1927 bot sich hier nun die Möglichkeit chirurgischer Eingriffe (Thoraxchirurgie). Aus einem Sanatorium für Leichtlungenkranke, dem „Sorgenhaus“, wie damals die Klinik zuweilen genannt wurde, war ein modernes Lungenkrankenhaus mit etwa 130 Betten geworden. 1937 wurde ein weiterer großer Neubau begonnen, der 1938 fertiggestellt wurde. Dieser bot nochmals Zimmer für 25 Patientinnen und verfügte zudem über Wohnräume des Oberarztes und einige Angestellte. Die nunmehr erreichte Kapazität von 180 Krankenbetten blieb in den
kommenden Jahrzehnten konstant, so dass 1938 der Ausbau der Heilstätte im Großen und Ganzen als abgeschlossen angesehen werden kann. Im Zweiten Weltkrieg und auch in den schwierigen Jahren danach blieb die Heilstätte ohne Unterbrechung in Betrieb.

Johanniter Heilstätte Sorge

Johanniter Heilstätte Sorge

Waren die Belegungszahlen in den Kriegsjahren rückläufig, erreichten sie in den frühen 1950er Jahren wieder die aus Vorkriegszeiten bekannten Dimensionen. 1951 wurden die letzten Lungenoperationen durchgeführt. Bis 1961 sank die Belegung von 180 auf nur noch 120 Patienten. Der allgemeine Rückgang der Tbc-Erkrankungen aufgrund verbesserter hygienischer Verhältnisse und geringere Patientenzuweisungen durch die Tbc-Zentrale in Berlin führte zu ersten wirtschaftlichen Problemen im Betrieb der Heilstätte. Es wurde beschlossen und genehmigt, ab Anfang 1962 auch männliche Patienten aufzunehmen. Die Maßnahme brachte den gewünschten wirtschaftlichen Erfolg – das Haus erreichte sehr bald wieder seine maximale Belegung. Inzwischen hatte der Johanniterorden seine Liegenschaften in der DDR an die evangelische Landeskirche treuhänderisch abtreten müssen.

Im November 1967 wurde die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen durch die Bezirksregierung Magdeburg davon in Kenntnis gesetzt, dass die Heilstätte in Sorge kurzfristig aufzulösen sei und nicht mehr zu diakonischen Zwecken genutzt werden dürfe. Die Räumung des Hauses sollte bis zum 31. Dezember 1967 – also wenige Wochen später – erfolgt sein. So wurde der Heilstättenbetrieb in seiner bisherigen Form zum 31. Dezember 1967 eingestellt. Ab 1968 wurde die ehemalige Lungenheilstätte durch die Nationale Volksarmee (NVA) und die Grenztruppen der DDR mit 150 Kurplätzen genutzt. Ab 1986 wurden in der Klinik auf dem Ochsenberg neben Armeeangehörigen der NVA auch Bürger der umliegenden Gemeinden Sorge, Tanne (Harz) und Benneckenstein behandelt, wenn deren Ärzte dies verordneten. Da die Heilstätte nur wenige hundert Meter von der zwischen Hohegeiß (Niedersachsen) und Sorge verlaufenden

Johanniter Heilstätte Sorge

Johanniter Heilstätte Sorge

innerdeutschen Grenze entfernt lag und sich somit im absoluten Sperrgebiet befand, war das gesamte Gelände mit den Gebäuden der Heilstätte und dem weitläufigen Parkgelände von einem Sicherheitszaun umgeben. An der Zufahrt zur Heilstätte befand sich eine besetzte Pforte. Mit der Wende 1989 änderten sich die Verhältnisse abermals grundlegend. Durch die Auflösung der NVA zum 3. Oktober 1990 musste die Bundeswehr in den Vertrag eintreten, die an der Nutzung des Objektes allerdings kein Interesse zeigte. Der Vertrag zwischen Bundeswehr und dem Kreis Wernigerode wurde daher zum 30. Juni 1991 fristgerecht gekündigt. Bis zur Rückübertragung der Heilstätte durch das Bundesvermögensamt an den Johanniter-Orden 1992 standen die damals baulich gut erhaltenen Gebäude einige Zeit leer. Der Johanniterorden sah sich angesichts vieler anderer Aufgaben im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung und anstehenden Investitionen in anderen rückübertragenen Objekten in den neuen Bundesländern nicht in der Lage, in Sorge die notwendigen Investitionen vorzunehmen. Im Jahr 2000 fand der Johanniterorden nach langen Bemühungen einen Käufer, der das Objekt für 90.000 DM erwarb, ein Nutzungskonzept jedoch nicht vorweisen konnte. Es halten sich Gerüchte, dass es vordergründig um die Erlangung von Fördermitteln ging. Ein weiterer Nachbesitzer war der Verein „Schloss Ochsenberg“, der hier eine Heilstätte für AIDS-Kranke schaffen wollte und mit einigen Bauarbeiten im Klinikgebäude begann. In jener Zeit verschwand von dem damals ungesicherten Gelände durch Diebstahl vor allem werthaltiges Metall wie Treppengeländer, Heizungsrohre aus Kupfer und selbst die Kanaldeckel im Außenbereich. Am 15. Mai 2007 brannte der Dachstuhl des mittleren Gebäudeteils ab (ehemalige Kirche bzw. später das Kino). Die Brandbekämpfung gestaltete sich schwierig, da die Aufstellflächen für das Drehleiter-Fahrzeug voller Bauschutt und Gerümpel lagen und das Gebäude nur bis zum 3. Obergeschoss zugänglich war. Das Dach wurde anschließend notdürftig repariert, der kleine Glockenturm nicht wieder aufgebaut und das Gelände einer großflächigen Rodung unterzogen. Inzwischen deuten Zeichen darauf, dass eine Nachnutzung für das Areal in Form eines Ferienparks gefunden werden könnte, der durch die zentrale Lage im Harzgebirge sicher zukunftsfähig wäre. Das Gelände ist inzwischen rund um die Uhr bewohnt und bewacht. Dadurch hat der Vandalismus und der unbeaufsichtigte Besucherverkehr in den noch gut erhaltenen Gebäuden nachgelassen – sehr zum Vorteil der Anlage und ihrer Zukunftschancen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Johanniter-Heilst%C3%A4tte_Sorge

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