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Kurhaus Stromberg

Kurhaus Stromberg

Am 21. Juli 2000 musste die Kurhaus Stromberg Betriebs GmbH Insolvenz anmelden und wurde 2001 aus dem Handelsregister gelöscht. Seitdem steht das Kurhaus leer und ist durch Vandalismus stark geschädigt.

Die Anfänge

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Rheinische Provinzial-Lehrerverband e. V. mit Sitz in Köln auf der Suche nach einem Grundstück, auf dem dieser ein Lehrerwohnheim errichten konnte. Schon im Jahre 1909 erschien der Luftkurort Stromberg dem Provinziallehrerverband als geeigneter Ort für die Errichtung eines Lehrererholungsheims. Die malerische Landschaft, das Klima und die gute Verkehrsanbindung durch die 1889 eröffnete Hunsrückbahn sprachen dafür. Der Lehrerverband betrieb in Stromberg bereits ein „Empfangs- und Wohnungsbureau“ im Hotel „Zur Post“, um seine Mitglieder in die Hotels und Pensionen vor Ort zu vermitteln. Der Beschluss, in Stromberg ein eigenes Lehrerwohnheim zu errichten und zu betreiben erfolgte am 29. März 1910 auf der Vertreterversammlung in Gummersbach und 13. Mai 1913 in Solingen.

Die Grundsteinlegung

Kurhaus_Stromberg

Kurhaus_Stromberg

In der Erwartung auf touristische Impulse und neue Arbeitsplätze beschloss Stromberg am 11. Juni 1913 in einer Stadtverordnetenversammlung, dem Bauvorhaben zuzustimmen. Aus dem Notarvertrag vom 13. November 1913 wird deutlich, dass Stromberg großes Entgegenkommen zeigte, um das Projekt für sich zu gewinnen: Die Stadt überließ dem Verein kostenlos unter Bedingungen ein weitflächiges, aus mehreren Parzellen bestehendes Wiesengrundstück im Wert von 18.000 Mark, das durch den Dörrebach (Norden), Haus Obentraut (Osten), den Weg nach Neupfalz (Süden) und den Stadtwald „Krummschlag“ (Westen) begrenzt ist. Die verkehrstechnische Anbindung des Heimgeländes erfolgte über eine zu errichtende Brücke an die Kreisstraße Stromberg-Dörrebach. Zusätzlich verpachtete die Stadt 6 ha westlich angrenzenden Stadtwald („Krummschlag“) für eine symbolische Pacht von 1 Mark pro Jahr. Die forsttechnische Nutzung sollte nach dem Plenterprinzip erfolgen und bei der Stadt verbleiben, ferner die Schaffung von Spazierwegen, Bänken, Schutzhütten etc. nach Wünschen des Verbandes. Der Verband verpflichtete sich im Gegenzug, „den zu dem Unternehmen gehörenden Waldbezirk samt darin zu machenden Anlagen tagsüber dem Publikum geöffnet zu halten“.

Der Verband verpflichtete sich, das Heim „als öffentliches, allen Einheimischen und Besuchern Strombergs zugängliches Hotel zu betreiben, soweit es nicht von seinen Mitgliedern in Anspruch genommen wird“. Die Bautätigkeiten mussten „im Laufe des Jahres 1914 beginnen“, da ansonsten die Stadt vom Vertrag zurücktreten konnte. Falls das Lehrerheim binnen 30 Jahren veräußert würde, wäre das Eigentum der Parzellen an die Stadt zurückgefallen bzw. hätte vom Verband für 45 Mark je Ar erworben werden können. Am 29. November 1913 fand die Vermessungsverhandlung des Geländes vor dem Königlichen Katasteramt Stromberg statt, einen Tag später unterzeichneten Bürgermeister Carl Janssen für die Stadt Stromberg und Rektor Christian Backes für den Rheinischen Provinzial-Lehrerverband den Notarvertrag

Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. April 1914 direkt nach Ostern. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verloren freizeitlich orientierte Aktivitäten an Bedeutung, die Fertigstellung des Kurhauses verzögerte sich um Jahre.

Am 1. April 1921 fand die Eröffnung mit „einer einfachen Feier im engen Rahmen“ statt. Es standen rund 60 Zimmer für etwa 100 Kurgäste zur Verfügung. Beworben wurde das Kurhaus als „vornehmes modernes Haus mit allen Bequemlichkeiten, Gesellschaftsräumen, Lese- und Spielzimmern, Terrassen, schönem Speisesaal, gediegen eingerichteten Gästezimmern mit prächtiger Aussicht“. Im Keller waren Heizkessel, Kokslager, Wäscherei, Weinlager und Vorräte untergebracht, das Untergeschoss beherbergte u. a. den Gastronomiebereich mit der „Deutsche-Michel-Stube“, Clubraum und Großküche, welche durch einen Speiseaufzug mit den übrigen Etagen verbunden war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg beschlagnahmten 1945 amerikanische Streitkräfte das Haus, das als Sitz der Amerikanischen Friedhofskommission und anschließend französischen Besatzungstruppen als Unterkunft diente. 1946 belegte die Landesregierung das Kurhaus mit 100 Betten als Lungenheilstätte für entlassene deutsche Kriegsgefangene. Ab 1948 werden auch sonstige Lungenkranke des Landes Rheinland-Pfalz aufgenommen. Am 27. Juni 1953 erfolgt die Rückgabe an den ADLLV (Allgemeiner deutscher Lehrer- und Lehrerinnenverein). Im April 1955 verkaufte der Allgemeine Deutsche Lehrerverband das Kurhaus für 250.000 DM an den Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Roten Kreuzes. Nach einer Sanierung und Neuausstattung wurde das Haus am 2. Juli eingeweiht und neu eröffnet. In den Sommermonaten als allgemeines Hotel geführt, diente es im Winter als Schulungsstätte für das DRK. Die Nebensaison lieferte regelmäßig unrentable Ergebnisse. Aus diesem Grund wandelte das DRK das Kurhaus ab 1960 in ein geschlossenes Erholungsheim um, das jährlich in etwa 16 Etappen von durchschnittlich 95 weiblichen Kurgästen von verschiedenen Sozialversicherungsträgern belegt war. In den 1960er Jahren baute man in funktionalisierter Form an der südlichen Seite einen Turm mit Aufzug und westlich eine Personalwohnung an. Nach 1972 erfolgten umfangreichere Sanierungen und Erweiterungen. An der Rückseite wurde eine moderne Bäderabteilung mit Schwimmbad, Sauna und Einrichtungen für Kuranwendungen errichtet. Die allgemeine Rezession zu Beginn der 1980er Jahre führte zu einem Rückgang der Kurverschreibungen bis zu 40 Prozent. Ab 1981 mussten im Umkreis bereits einige Kureinrichtungen aufgeben. 1983 schloss auch das an die Landesversicherungsanstalt verpachtete Kurhaus aus Kostengründen.

Wohnheim für Spätaussiedler

Ab 1989 betrieb das Land im Kurhaus ein Wohnheim für Spätaussiedler aus Osteuropa und Flüchtlinge aus der DDR. Im Sommer 1989 waren 220 Aussiedler, darunter 75 Kinder und Jugendliche bis zu 18 Jahren und 22 Rentner untergebracht. 90 Aussiedler kamen aus der UdSSR, 18 aus der DDR, eine Familie aus Ungarn und der Rest aus Polen.[20] In seiner Fernsehsendung „Blick ins Land“ stellte der Südwestfunk 1990 die Einrichtung vor. Wegen sinkenden Aussiedlerzahlen schloss 1994 das Wohnheim, das Kurhaus wurde in private Hände verkauft.

Seminar- und Schulungszentrum

1996 errichtete die „Economic Trade Center Verwaltungsgesellschaft“ (ETC), welche die „Euro Consum Card“ (ECC) vermarktete, im Haus ein Seminar- und Schulungszentrum. Die Zimmer wurden renoviert und erhielten Telefon- und Fernsehanschluss. Zu nutzen waren außerdem Sauna, Solarium und Hausschwimmbad. Die Gaststätte „Michel-Stube“ wurde für auswärtige Besucher wieder als Restaurant geöffnet. Parallel dazu entwickelte der Eigentümer zur gleichen Zeit Pläne, auf einer rund 1500 m² großen Fläche hinter dem Kurhaus, die als Mischgebiet ausgewiesen ist, Häuser in Zweigeschossbauweise zu errichten. Ab 1998 reaktivierte das Kurhaus seine Bäderabteilung und bot als Besonderheit Bäder im Jungbier an, um zusätzliche Gäste anzulocken. Der wirtschaftliche Erfolg blieb aber in den folgenden Jahren aus, am 21. Juli 2000 musste die Kurhaus Betriebs GmbH Insolvenz anmelden, 2001 war das Unternehmen aus dem Handelsregister gelöscht.

Der Verfall

In den folgenden Jahren schädigte Frost die Haustechnik, es kam zu Rohrbrüchen und Feuchtigkeitsschäden mit Schimmelbefall. Vandalismus und Diebstähle setzten dem Haus stark zu. Von dem ursprünglichen Park finden sich heute kaum noch Spuren.

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