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Haftanstalt Bautzen II

Haftanstalt Bautzen II

Das Gefängnis Bautzen II – Symbol politischer Verfolgung in der DDR

Das Gefängnis Bautzen II gehört zu den bekanntesten Haftanstalten Deutschlands. Besonders während der Zeit der DDR wurde der sogenannte „Stasi-Knast“ zu einem Symbol für politische Unterdrückung, Angst und Isolation. Tausende Menschen waren dort inhaftiert – viele von ihnen nicht wegen schwerer Straftaten, sondern aufgrund ihrer politischen Ansichten oder ihres Wunsches nach Freiheit. Heute erinnert die Gedenkstätte Bautzen an das Leid der Opfer und an die Mechanismen diktatorischer Herrschaft.

Die Entstehung von Bautzen II

Das Gefängnis Bautzen II wurde zwischen 1904 und 1906 als modernes Gerichtsgefängnis des Königreichs Sachsen errichtet. Es entstand gemeinsam mit dem Amts- und Landgericht in Bautzen und verfügte über mehr als 200 Haftplätze. Ursprünglich diente die Anstalt der Untersuchungshaft und der Vollstreckung kurzer Freiheitsstrafen. Bereits damals galt das Gebäude als technisch modern.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden in Bautzen II neben gewöhnlichen Strafgefangenen auch politische Gegner des Regimes festgehalten. Die nationalsozialistischen Behörden nutzten das Gefängnis für sogenannte „Schutzhäftlinge“, die oft ohne rechtsstaatliches Verfahren verhaftet wurden. Verhöre und Misshandlungen waren keine Seltenheit.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die sowjetische Geheimpolizei NKWD das Gefängnis. Zwischen 1945 und 1949 diente Bautzen II als Untersuchungsgefängnis der sowjetischen Besatzungsmacht. Die Bedingungen waren katastrophal: überfüllte Zellen, mangelhafte Ernährung und Folter bei Verhören gehörten zum Alltag. Viele Gefangene wurden durch sowjetische Militärtribunale zu langen Haftstrafen verurteilt.

Bautzen II in der DDR
Bautzen II

Bautzen II Eingang

Die eigentliche Bekanntheit erlangte Bautzen II jedoch in der Zeit der DDR. Im Jahr 1956 richtete das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), besser bekannt als Stasi, dort eine Sonderhaftanstalt ein. Offiziell unterstand das Gefängnis zwar dem Innenministerium, tatsächlich wurde es aber von der Staatssicherheit kontrolliert.

Bautzen II war kein gewöhnliches Gefängnis. Es galt als Hochsicherheitstrakt für sogenannte „Staatsfeinde“. Eingesperrt wurden Regimekritiker, Fluchthelfer, politische Aktivisten, Journalisten, Schriftsteller oder Menschen, die versucht hatten, aus der DDR zu fliehen. Auch westdeutsche Gefangene und Personen mit besonderer politischer Bedeutung wurden hier untergebracht.

Das Ziel der Haft bestand nicht nur in der Bestrafung, sondern vor allem in der psychischen Zermürbung der Gefangenen. Viele Häftlinge lebten in strenger Einzelhaft. Kontakte zur Außenwelt waren stark eingeschränkt, Briefe wurden kontrolliert und Besuche waren selten. Einige Gefangene wurden nur mit Nummern angesprochen, um ihre Persönlichkeit zu entwerten. Die Isolation sollte Angst erzeugen und den Widerstandswillen brechen.

Haftbedingungen und Überwachung
Bautzen II - Treppenaufgang

Bautzen II – Treppenaufgang

Die Bedingungen in Bautzen II waren hart. Obwohl das Gefängnis äußerlich unscheinbar wirkte, war es technisch und organisatorisch auf maximale Kontrolle ausgelegt. Die Gefangenen wurden ständig überwacht. Viele Zellen waren mit versteckten Abhöranlagen ausgestattet. Selbst Gespräche unter Gefangenen wurden registriert.

Besonders gefürchtet war der sogenannte Isolationstrakt. Dort wurden Häftlinge unter verschärften Bedingungen festgehalten. Die psychische Belastung war enorm. Viele ehemalige Gefangene berichteten später von Einsamkeit, Angstzuständen und dauerhaften seelischen Schäden. Die Stasi setzte gezielt psychologische Methoden ein, um Gefangene zu brechen. Körperliche Gewalt spielte zwar ebenfalls eine Rolle, doch häufig waren psychischer Druck und permanente Unsicherheit die wirksamsten Mittel der Unterdrückung.

Zudem versuchte die DDR-Führung, die Existenz des politischen Gefängnisses geheim zu halten. Bautzen II war streng abgeschirmt. Selbst viele Bürger der DDR wussten nur wenig über die tatsächlichen Zustände hinter den Mauern. Deshalb erhielt die Haftanstalt den Beinamen „Stasi-Knast“.

Bekannte Häftlinge

Im Laufe der Jahrzehnte waren zahlreiche bekannte Persönlichkeiten in Bautzen II inhaftiert. Dazu gehörten unter anderem der Schriftsteller Erich Loest, der Politiker Georg Dertinger sowie der Philosoph Rudolf Bahro. Ihre Schicksale zeigen, wie selbst hochrangige oder prominente Personen Opfer politischer Verfolgung werden konnten.

Insgesamt wurden zwischen 1956 und 1989 etwa 2.700 Menschen nach Bautzen II eingewiesen. Über 80 Prozent von ihnen waren politische Gefangene.

Das Ende der Haftanstalt
Bautzen II - Flur

Bautzen II – Flur

Mit dem Zusammenbruch der DDR im Jahr 1989 endete auch die Geschichte Bautzens II als politisches Gefängnis. Im Dezember 1989 wurden die politischen Häftlinge freigelassen. Nach der deutschen Wiedervereinigung diente das Gebäude noch kurzzeitig als Justizvollzugsanstalt, bevor es 1992 endgültig geschlossen wurde.

Ehemalige Häftlinge gründeten das Bautzen-Komitee und setzten sich dafür ein, den Ort als Mahnmal zu erhalten. Bereits 1993 entstand die Gedenkstätte Bautzen. Heute dokumentiert sie die Geschichte der beiden Bautzener Gefängnisse während der NS-Zeit, der sowjetischen Besatzung und der DDR-Diktatur. Besucher können originale Zellen, Arrestbereiche und Freigangshöfe besichtigen.

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