Auguste-Viktoria-Knappschaftsheilstätte
Die Lungentuberkulose war Anfang des 19. Jahrhunderts eine der gefürchteten Krankheiten der Arbeiterklasse. Bereits 1899 hat sich der allgemeine Knappschafts-Verein der Bewegung der Bekämpfung der Tuberkulose angeschlossen, um seinen Mitgliedern den Bergleuten eine eigene Lungenheilstätte zu erbauen.
Als geeignete Stelle wurde wegen der günstigen hygienischen Verhältnisse das Gebiet des Sauerlandes in Betracht gezogen, weil dort in der frischen reinen staubfreien Bergluft, in umfangreichen Waldungen, weit ab von der geräuschvollen Industrie, und dem Einfluss des qualmenden Rauches der Bergwerks- und Fabrikschornsteinen entzogen, ein wirklicher Erfolg von der Heilstätten Behandlung am ehesten zu erhoffen sei. Von den zum Ankauf angebotenen Plätzen wurden mehrere durch eine Kommission besichtigt. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer des am besten geeigneten Grundstücks am südlichen Hang des Olsberg verliefen ergebnislos, sodass am 18. Juni 1900 eine Besichtigung des zum Ankauf angebotenen Rittergutes Beringhausen bei Meschede erfolgte. Der Sachverständigenrat für Lungenheilstättenbau kam zu dem Ergebnis, dass auf dem Gelände des Gutes ein zur Anlage einer Lungenheilstätte geeigneter Platz gefunden wurde und somit das Grundstück gekauft werden solle.
Am 4. Oktober 1902 wurde der Grundstein zur Errichtung der Lungenheilstätte gelegt. Der Grundriss des Gebäudes sah Platz für 118 Betten verteilt auf 4 Etagen vor. 41 Betten sollten im Erdgeschoss, 29 im I. Obergeschoss, 38 im II. Obergeschoss und 10 im Dachgeschoss untergebracht werden. Große Krankensäle sind nicht vorgesehen. Die größten Zimmer sind mit 5 Betten reingerichtet. Es gab sogar 14 Einzelzimmer was für die Zeit eher ungewöhnlich war. 1904 wurde die Heilstätte nach Plänen des Architekten Julius Boethke mit eröffnet. Eine verkehrstechnische Besonderheit bot die Seilbahn, die die 110 Meter zwischen Tal und Krankenhaus überbrückte und erst 1913-21 durch eine Zufahrtsstraße ersetzt wurde. Im Zweiten Weltkrieg diente die Heilstätte als Reservelazarett, die Amerikaner nutzen sie weiter als Kriegsgefangenen-Lazarett und gaben sie 1946 an die Ruhr-Knappschaft in Bochum zurück. Der Name wurde in „Bundesknappschafts-Klinik-Tannenberg“ geändert. Bis zum Verkauf der Klinik 1986 wurden hier ca. 44.000 Patienten behandelt. Nach dem Verkauf wurde das Haus vollkommen umgestaltet und mit einem 20-jährigen Pachtvertrag unter dem Namen Veramed-Klinik Tannenberg neu aufgestellt auf der Grundlage des Konzeptes einer Ganzheitsmedizin zur Nachsorge von Krebs-Patienten. 2008 wurde das Insolvenzverfahrens eröffnet. Ein Jahr später wurde die Klinik geschlossen und steht seitdem leer.
Quelle: https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/zoom/3903049
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